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TiasNimbas: Entwicklungsland Deutschland
Business Schools Bäbel Schwertfeger - 14.05.2008
Die niederländische TiasNimbas Business School geht den deutschen Markt stärker an. Sie will sich mit Internationalität, guter Betreuung und enger Verzahnung zwischen Theorie und Praxis profilieren.
"Wer als Business-School überleben will, muss wachsen", ist Philippe Naert überzeugt. Denn Größe, so der Dekan der Tias Nimbas Business School im niederländischen Tilburg, korreliere mit Renommee und das wiederum helfe einer Schule, gute Studenten und Professoren zu gewinnen. Dabei kann sich die bisherige Bilanz durchaus sehen lassen: Seit Naert 1996 den Posten als Dekan übernahm, ist der Umsatz aus Forschung, Lehre und Beratung von 2,5 Mio. auf rund 21 Mio. Euro gestiegen.
Heute bietet die 1986 gegründete Management-Schule der Tilburg University und der Eindhoven University of Technology neben einem Vollzeit- und vier berufsbegleitenden MBA-Programmen mehrere spezialisierte Master-Studiengänge, ein Doktorandenstudium und ein umfassendes Portfolio an Weiterbildungsprogrammen für Führungskräfte an. Alle MBA-Studiengänge sind klassische General-Management-Programme mit dem Fokus auf Europa.
Flagschiff-Programm ist der International Master in Management, den Tias Nimbas zusammen mit der Gisma Business School in Hannover, der amerikanischen Purdue University und der Central European University in Budapest anbietet und der im letzten Executive-MBA-Ranking der Financial Times (FT) auf Platz elf weltweit landete.
2006 fusionierte die Schule mit der Nimbas Business School in Utrecht und übernahm deren Vollzeit- und Parttime-MBA-Programme in Utrecht und Bonn. "Der Hauptgrund war die Integration des Vollzeit-MBA", erklärt Naert, der von 1986 bis 1992 Dekan bei der Topschule Insead war. Denn ein Vollzeit-Programm fehlte Tias bisher. Heute studieren 31 Teilnehmer aus 22 Ländern in Utrecht, im neuen Durchgang sollen es 40 werden.
Deutschland: Kleine Basis
Die Fusion mit Nimbas bescherte den Niederländern auch den Zugang zum deutschen Markt. "Deutschland ist ein noch unterentwickelter, aber interessanter Markt, den man nur von innen erobern kann", erklärt der Tias Nimbas-Dekan. "So können wir von einer kleinen Basis aus expandieren." Derzeit studieren in Bonn gerade mal 15 Teilnehmer.
Einer davon ist Ingo Holtz. Seit September büffelt der Operational Manager bei Siemens einmal im Monat für drei Tage in Bonn. Angetan ist der 40-Jährige vor allem von den internationalen Professoren und dem integrativen Ansatz. "Die fordern einen heraus, das gelernte Wissen fächerübergreifend anzuwenden", sagt der IT-Experte. Begeistert ist er auch von der Atmosphäre. "Hier kümmert man sich um den Einzelnen."
Ein weiteres Plus sei der MBA-Titel von der Bradford University. Weil Nimbas selbst erst 2005 den Status einer Universität bekam, behalf sich die Schule, indem sie mit der britischen Uni koope rierte. Davon profitiert Tias Nimbas noch heute. So landete der gemeinsame Vollzeit-MBA im FT-Ranking auf Platz 21 unter den europäischen Schulen.
Künftig sollen die Teilnehmer jedoch neben dem Bradford-Titel auch den MBA von Tias Nimbas erhalten. "Damit wollen wir unseren Einfluss auf die Programmgestaltung erweitern", erklärt Naert. Vorrangiges Ziel sei es jedoch, die Teilnehmerzahl des Bonner Programms langfristig auf bis zu 50 Studenten zu erhöhen. Nicht zuletzt dafür hat die Schule zum 1. März mit Alexander Bojanowsky erstmals einen Geschäftsführer für Deutschland ernannt.
Kein weiterer Ausbau ist dagegen beim eigenen Parttime-MBA in Tilburg angestrebt. Aufgrund der intensiven Betreuung der Studenten durch Coaches und des Studientrips ist die Teilnehmerzahl auf 25 beschränkt. So muss die Klasse ein Projekt in einem Dritte-Welt-Land durchführen. "Wohin sie wollen, welches Projekt sie angehen und wie sie das Ganze finanzieren, müssen sie selbst entscheiden", erklärt Bie De Graeve, Direktorin für die MBA-Programme. So unterstützten die Studenten zuletzt den Bau einer Schule in einem Dorf in Ghana.
Verzahnung des Studiums mit dem Job
Ungewöhnlich ist die enge Verzahnung des Studiums mit dem Job. So liefert jeder Teilnehmer am Ende des Studiums ein Beratungsprojekt für seinen Arbeitgeber ab, das in etwa dem finanziellen Wert der Studiengebühren entspricht. Nach der Präsentation diskutieren dann Akademischer Direktor, Vorgesetzter und Teilnehmer ausführlich darüber, ob und wie sich das Projekt im Unternehmen implementieren ließe.
"Ziel ist es, dass jeder MBA-Student seinen eigenen Veränderungs-Prozess initiiert", sagt De Graeve. So habe zum Beispiel ein Bank-Mitarbeiter ein Risikomodell für die Gründung einer Bank in den USA entwickelt und durfte sein Modell dann selbst testen. "Der ist inzwischen seit vier Jahren in den USA und sehr erfolgreich", sagt die MBA-Direktorin.
Eng verzahnt ist die Schule auch mit den Unternehmen. Rund ein Viertel ihrer Aktivitäten liegt im Bereich firmeninterner Weiterbildungsprogramme für Kunden wie den Personaldienstleister Randstad, das Textilunternehmen C&A und den Finanzdienstleister ING Gruppe.
Künftig sollen auch deutsche Unternehmen die internationale Expertise der Schule nutzen. "Wir glauben, dass es in Deutschland derzeit nicht genug hochkarätige Managementweiterbildung gibt", sagt Filip Caeldries, Associate Dean für firmeninterne Programme. "Diese Chance wollen wir nützen und setzen dabei auch auf unsere über 650 deutschen Alumni."
Der Artikel ist am 18.April 2008 in der Financial Times Deutschland erscheinen.
