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Spätes Erwachen
News Bärbel Schwertfeger - 24.06.2009
Die führenden deutschen Business Schools entdecken die Managementweiterbildung. Schwerpunkt sind vor allem firmeninterne Programme, aber auch im offenen Seminarmarkt wollen sie sich als qualitativ hochwertige Anbieter positionieren.
Manager, die sich in den Bereichen Strategie oder Change Management weiterbilden wollen, können dies ab Herbst auch an der Mannheim Business School tun (MBS). Erstmals bietet MBA-Schule offene Kurse im Bereich Executive Education an – also Weiterbildungskurse, die im Gegensatz zum MBA nicht zu einem akademischen Abschluss führen. Beginnen will man mit vier dreitägigen Kursen. Für die Business School ist der Ausbau ihres Portfolios ein wichtiger Schritt. "Nur wenn wir neben unseren MBA-Programmen auch Executive Education anbieten, werden wir im internationalen Markt auch als Topschule wahrgenommen", erklärt Professor Bernd Helmig, akademischer Direktor Executive Education an der MBS.
Wie Mannheim entdecken auch die anderen führenden deutschen Business Schools zunehmend den lukrativen Markt der Managerweiterbildung. Während ausländische Schulen einen großen Teil ihrer Einnahmen aus offenen und maßgeschneiderten Management-Programmen bestreiten, lag das Feld in Deutschland noch weitgehend brach. "Den Markt haben die meisten hier genauso verschlafen wie den MBA-Markt", gesteht Andreas Hackethal, Dean der Goethe Business School an der Universität Frankfurt.
Das soll sich nun ändern. So haben die Mannheimer den Bereich Executive Education jetzt strategisch aufgestellt. "Wir starten mit unseren Kernkompetenzen und Themen, die im Markt gefragt sind", erklärt Professor Helmig. Bereits im nächsten Jahr soll die Zahl der offenen Kurse auf zehn steigen. Unterrichten sollen vor allem Star-Professoren wie der international renommierte Marketingexperte Christian Homburg. Im Visier hat die Business School aber auch den Markt für firmeninterne Programme. "Da liegt für mich der Markt der Zukunft", betont Direktor Helmig. "Hier wollen wir in fünf Jahren zu den Top 10 in Europa gehören."
Damit treten die Mannheimer selbstbewusst gegen den bisher größten Spieler im deutschen Markt an: die 2002 von 25 Unternehmen wie Allianz, Siemens und Telekom gegründete European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Deren Schwerpunkt lag schon vom Start an – nicht zuletzt aufgrund der Übernahme des Universitätsseminars der Wirtschaft (USW) Schloss Gracht - bei der Weiterbildung. Heute bestreitet die Schule über die Hälfte ihres Umsatzes mit Executive Education, vor allem mit firmeninternen Programmen für ihre Sponsorunternehmen. Um die ESMT zu finanzieren, mussten sie erst 2007 noch einmal einen zweistelligen Millionenbetrag nachschießen und können ihre Zahlungen nun innerhalb der nächsten fünf Jahre für kostenlose Seminar-Plätze nutzen. "Die Firmen frühstücken ihr Geld noch ab, dann ist Schluss", prophezeit ein Insider. Zumindest aber muss sich die ESMT künftig auf stärkere Konkurrenz aus Deutschland einstellen.
So will auch die Goethe Business School (GBS) den Bereich Executive Education verstärkt strategisch angehen und sich dabei auf die Bereiche Finanzen und Leadership fokussieren. Neu sind offene Seminare wie "Die Kunst, sich zu entscheiden" und wöchentliche Abendkurse. Im firmeninternen Bereich führen die Frankfurter seit 2006 für das Beratungsunternehmen BearingPoint ein Weiterbildungsprogramm für junge Analysten durch. Zu den Kunden gehören auch Accenture und PricewaterhouseCoopers sowie die Deutsche Bank. Besonders stolz ist die Schule jedoch auf das Leadership-Programm, das sie für die China Development Bank (CDB) durchführt und bei dem chinesische Manager in Frankfurt in Personalführung geschult werden.
Stolz auf ihren Erfolg kann auch Jana Studemund sein, Geschäftsführerin der 2007 gegründeten HHL Executive GmbH. Allein 2008 hat die Tochtergesellschaft der Handelshochschule Leipzig (HHL) zehn Unternehmen als neue Kunden gewonnen. Der Umsatz ist um 250 Prozent gestiegen. "Executive Education ist neben Studium und Lehre sowie der Forschung unser drittes strategisches Geschäftsfeld und soll weiter ausgebaut werden", erklärt Studemund. Vor allem bei der Managementschulung von Führungskräften ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund habe sich die HHL bereits einen guten Ruf erarbeitet. Daher starte man auch erstmals mit einem offenen Seminar im Bereich General-Management.
"Der Marketingaufwand für offene Seminare ist einfach zu groß", betont dagegen Bernadette Conraths, Leiterin der Executive Education an der WHU-Otto Beisheim School of Management in Vallendar bei Koblenz. Daher beschränke man sich mittelfristig auf firmeninterne Programme. Auch hier steht der Bereich Executive Education seit 2007 gleichwertig neben den beiden Säulen Lehre und Forschung. Seitdem hat sich der Umsatz bereits verdoppelt.
Vor allem auf firmeninterne Programme setzt auch die Gisma Business School in Hannover und arbeitet dabei pro Jahr mit bis zu 15 Firmen zusammen. Zudem hat die Schule mit ihrer „Gisma Open MBA Series“ eine clevere Lösung bei den offenen Seminaren gefunden und ermöglicht Interessenten, an Wahlkursen des Vollzeit-MBA Programms – etwa zum Thema Strategie oder Verhandlung - teilzunehmen. "So kommen unsere MBA-Studenten mit gestandenen Führungskräften zusammen", erklärt Anette Tronnier, Geschäftsführerin der Gisma Business School. "Und das finden beide Seiten sehr gut."
Künftig wird sich der Wettbewerb noch verschärfen. So steht die Technische Universität München (TUM) bereits in den Startlöchern und will demnächst ein neues Zentrum für Executive Education gründen und dabei mit einer europäischen Business School kooperieren. Das Portfolio soll Zertifikatsprogramme und firmeninterne Weiterbildung umfassen. Noch ambitioniertere Pläne hat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen, wo unter dem Dach der RWTH Academy auch eine eigene, auf Inhouse-Programme spezialisierte "School of Executive Management" entstehen soll.
