News » Latest News » Careers » Perspectives » Artikel
Gehälter: Auf den Zeitpunkt kommt es an
News Barbara Bierach - 02.02.2010
Wo ein Studierender seinen Abschluss macht, hat einen direkten Einfluss auf seine Karriere- und Einkommensaussichten. Wann ein Student abschließt, ist aber offenbar ebenso bedeutend, berichtet die „Financial Times”. Die Klasse von 2009 stieß im Arbeitsmarkt auf harte Zeiten, da viele Arbeitgeber eher daran interessiert waren, ihr Personal abzubauen.
Die von der „FT“ für die Ranglisten der besten Business Schools erhobenen Daten zeigen, dass einer von fünf Studenten des jüngsten Abschlussjahrgangs drei Monate nach den Examen noch keine Stelle gefunden hatte. Das entspricht einer Verdoppelung der Rate von 2008.
Die Datenlage offenbart jedoch auch, dass die Folgen des Abschwungs keineswegs nur die jüngsten MBA-Abschlussjahrgänge betreffen. MBA-Absolventen der Klasse von 2006, die zwischen September and Oktober 2009 befragt wurden, meldeten geringere Einkommensniveaus als ihre Kommilitonen des Jahrgangs 2005. Insgesamt waren die Gehälter drei Jahre nach der Zeugnis-Verleihung inflationsbereinigt um 1,5 Prozent auf 121.000 Dollar gesunken.
Dieser Negativtrend ist nicht dramatisch, verringert aber dennoch die Investitionsrendite eines MBA-Studiums. Die Klasse von 2006, die vor dem Studienbeginn im Schnitt 61.000 Dollar verdient hatte, realisierte drei Jahre nach dem Abschluss eine Gehaltserhöhung von 98 Prozent – und damit sieben Prozentpunkte weniger als die Kommilitonen vom Vorjahr.
Im Jahr 2002, als die Klasse von 1999 untersucht wurde, betrug das Durchschnittsgehalt drei Jahre nach dem Abschluss 120.800 Dollar. 2003 lagen die Gehälter in Folge des Dotcom-Crashes und der Terrorattacken vom 11. September 2001 fast vier Prozent darunter - und spiegelten so den engeren Arbeitsmarkt und geringere Bonuszahlungen wider. Am schlimmsten von der Rezession getroffen wurde jedoch der Abschluss-Jahrgang 2001. Da diese Klasse auf dem Höhepunkt der Krise auf dem Jobmarkt landete, mussten ihre Absolventen drei Jahre später mit einem Durchschnittsgehalt von 113.000 Dollar das geringste Einkommen vermelden. Erst ab 2006 erholten sich die Gehälter wieder und erreichten mit einem jährlichen Plus von 4,6 Prozent 119.200 Dollar.
Nach guten Wachstumsraten in 2007 und etwas weniger guten in 2008, zeigen die neuesten Daten für 2009 nun wieder Durchschnittsgehälter auf dem Niveau von 2002. Doch hinter diesen Gesamtdaten verbergen sich durchaus auch Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Die Finanzdienstleister beispielsweise stellen traditionell das Feld mit den höchsten Gehältern für MBAs. Vermutlich in Folge der dominanten Bonus-Kultur dieser Branche zeigt sie für die Periode nach 2002 in absoluten Zahlen auch die größte Schrumpfung: Von 156.000 Dollar auf 131.500 Dollar im Jahr 2005. 2009 lagen die Zahlen mit 133.000 Dollar immer noch deutlich unter dem Niveau von 2002, trotz guten Wachstumsraten in 2006 und 2007.
Im gleichen Zeitraum näherten sich die Gehälter in den Unternehmensberatungen – dem zweitwichtigsten Arbeitsmarkt für MBAs – denen in der Finanzdienstleistungsbranche an. Der öffentliche Sektor sowie die Non-Profit-Arbeitgeber entzogen sich jedoch dem Trend mit einem Gehaltsniveau in 2009, das um elf Prozent über dem von 2002 liegt. Die Steigerung allerdings erfolgte auch auf einer geringeren Basis (82.200 - 91.000 Dollar).
Wie jeder Student weiß, eignet sich die Leistung der Vergangenheit nicht unbedingt als Wegweiser in die Zukunft. Dennoch ist es vorstellbar, dass die MBA-Gehälter der kommenden Jahre dem Wachstumspfad folgen werden, den sie auch nach der Krise von 2001 eingeschlagen haben. Der volle Umfang der jüngsten Wirtschaftskrise jedoch wird wohl erst sichtbar, wenn der Jahrgang 2009 seine Daten in 2012 bei der „FT“ abliefert.
www.ft.com
