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Deutsche MBA-Programme: Angebote mit einem eigenen Profil?

„Das Leben besteht aus Pflicht und Kür. Oft fällt die Entscheidung schon bei der Pflicht.“ – Das ist eine Volksweisheit, die sich auf viele Lebensbereiche übertragen lässt und die auch treffend die Verhältnisse auf dem internationalen MBA-Markt charakterisiert. Denn nur wer die Pflicht – verstanden als weltweit akzeptierte Standards – meistert, kann sich der Kür – der Positionierung als Anbieter mit eigenem Profil und eigenen Wettbewerbvorteilen - widmen.

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Internationale Standards müssen erfüllt sein

Die meisten deutschen MBA-Anbieter scheitern allerdings schon an der ersten Hürde: Sie erfüllen nicht die Mindestanforderungen. Zwar ist de Begriff „MBA“ international nicht geschützt, doch hat sich längst ein einheitliches Verständnis davon durchgesetzt, was unter einem MBA-Programm zu verstehen ist. Ein Beispiel sind die „European MBA Guidelines“ der European Foundation for Management Development (efmd), die unter anderem die EQUIS-Akkreditierung vergibt: Neben formalen Kriterien, wie dem zeitlichen Umfang von Lehrveranstaltungen und Arbeitsaufwand, legen diese Richtlinien auch fest, dass ein MBA-Programm einen akademischen Erstabschluss und ein Minimum von zwei bis drei Jahren Berufserfahrung voraussetzt sowie als Vollzeit-Studiengang eine Dauer von mindestens einem Jahr haben soll. Außerdem sind MBA-Programme nach der efmd-Defintion eine General-Management-Ausbildung, die daneben aber auch durch entsprechende Kursangebote die persönliche Entwicklung der Teilnehmer fördert. Dass die Studierendengruppe in Bezug auf akademische Erstausbildung, berufliche Erfahrungen und Nationalitäten möglichst heterogen besetzt sein soll und ausschließlich in Englisch unterrichtet wird, sind weitere international akzeptierte Standards. Für Programme, die in der weltweiten Top-Liga mitspielen wollen, ist mindestens eine der wichtigsten internationalen Akkreditierungen (AACSB International, EQUIS, AMBA) zudem ein Muss.

Mangelndes Selbstbewusstsein vieler deutscher Anbieter

Auf den ersten Blick erscheint fraglich, ob ein solches, zu recht sehr strenges Korsett von Reglementierungen eine eigene Profilbildung zulässt. Meine klare Antwort lautet: Ja! Und solche Chancen bieten sich nach meiner Meinung gerade deutschen Anbietern. Gemessen an den Rahmenbedingungen, die die Business Schools hierzulande vorfinden, ist es unverständlich, mit welch geringem Selbstbewusstsein sie sich dem internationalen Markt stellen. Ein Grund hierfür mag in der Unerfahrenheit liegen: Da staatliche Bildungsinstitutionen erst seit einer Novelle des Hochschulrahmengesetzes im August 1998 den MBA-Titel vergeben dürfen, benötigten viele Anbieter zunächst eine Phase der Orientierung auf dem neuen Terrain. Diese sollte jedoch längst abgeschlossen sein und die deutschen Business Schools sich ihrer Stärken besinnen. Laut zahlreicher unabhängiger Studien zählen die akademische Qualität und eine erfolgreiche Jobvermittlung für MBA-Interessenten zu den wichtigsten Entscheidungskriterien. Gerade diese beiden Punkte bieten deutschen Anbietern eine einzigartige Möglichkeit, sich weltweit zu profilieren.

Akademische Qualität als Erfolgsfaktor

So verfügen einige deutsche wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten über eine Forschungsstärke, die aufgrund ihrer fehlenden internationalen Sichtbarkeit lange Zeit nicht adäquat wahrgenommen wurde. Dies hat sich glücklicherweise mit der zunehmenden Präsenz von Beiträgen deutscher Wissenschaftler in den weltweit wichtigsten Fachpublikationen geändert. Geschärft wurde dieses Bewusstsein für Qualität in Forschung und Lehre an Hochschulen zudem durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder vor geraumer Zeit. Aus eigener Erfahrung das Resultat können wir bestätigen, dass gerade in den Executive-MBA-Programmen, in denen zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst einen Teil ihres Berufslebens im (zumeist natur- oder ingenieurwissenschaftlichen) Forschungsumfeld verbracht haben, für viele die wissenschaftliche Leistungsstärke und Reputation einer Fakultät der letztlich entscheidende Faktor für ein Programm ist.

Potenzial durch „Standort Deutschland“

Eng mit dem zweiten genannten Kriterium, der erfolgreichen Jobvermittlung, ist ein weiterer nicht kopierbarer Wettbewerbsvorteil deutscher MBA-Anbieter zu sehen: Der Standort Deutschland bietet ein Potenzial, das häufig unterschätzt wird. „Made in Germany“ ist noch immer ein weltweit anerkanntes Gütesiegel. Zahlreiche hoch qualifizierte ausländische Talente, auch das belegen unsere eigenen Erfahrungen, streben Studium und anschließende Berufstätigkeit in der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft an. Es bleibt allerdings eine Herausforderung, diese Personen für ein MBA-Programm an einer deutschen Business School zu begeistern und ihnen die Perspektiven zu bieten, die sie erwarten. Das funktioniert nur mit einem umfassenden Career- und Placement-Service, der seinerseits eine enge Verzahnung der Business School mit Unternehmen voraussetzt. Es fällt auf, dass gerade in diesem Bereich viele deutsche Anbieter noch erheblichen Nachholbedarf haben.

Fazit: Gute Perspektiven

Deutschland wird zwar auf absehbare Zeit keine MBA-Nation von der Größe der USA oder Großbritanniens sein. Aber die Voraussetzungen für einen kleinen Kreis deutscher Business Schools, sich mit einem eigenen unverwechselbaren Profil in der internationalen Spitze zu etablieren, sind nicht schlecht. Allerdings nur dann, wenn die „Pflicht“ in Form von Mindeststandards erfüllt ist und es ihnen gelingt, die „Kür“ auf Basis der genannten Wettbewerbsvorteile zu entwickeln.  

Prof. Dr. Christian Homburg Der Autor:
Christian Homburg ist Präsident der Mannheim Business School und Marketing Professor an der Universität Mannheim in Deutschland. Christian Homburg belegt im Handelsblatt-Ranking den ersten Platz der deutschsprachigen Professoren für Business Administration

Andreas Hitzler - 09.Feb.10 - 14:34h

Sehr geehrtes TEam,

können Sie mir sagen, ob das MBA-Programm der TUAS University in Finnland in Deutschland anerkannt ist?

Danke für eine Rückmeldung
Andreas Hitzler

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