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Harvard: Ein hippokratischer Eid für Manager?

Am 3. Juni, einen Tag vor ihrer Zeugnis-Verleihung durch die Harvard Business School, schworen 400 MBA-Studenten einen Eid. Die Hälfte aller diesjährigen Absolventen versprach dabei, „dem allgemeinen Guten“ zu dienen, mit „äußerster Integrität“ vorgehen zu wollen und sich zu wappnen gegen „Entscheidungen und Verhaltensweisen, die nur meinem eigenen Ehrgeiz dienen, aber dem Unternehmen schaden und der Gesellschaft, der es dient.”

Hinter der Aktion steht Max Anderson, selbst ein MBA-Student – und natürlich die Wirtschaftskrise. Die Studenten wollen sich vor allem von den früheren Generationen der MBA-Absolventen distanzieren, die mitverantwortlich gemacht werden für das gegenwärtige Desaster an Wall Street, dem größten Arbeitgeber von Harvard-MBAs in den vergangenen Jahren.
Der studentische Eid ist Teil einer größeren Initiative, den Beruf des Managers in eine angesehene Profession zu verwandeln wie die des Arztes oder Anwalts. Die Idee geht zurück ins Jahr 2004, als Angel Cabrera, Präsident der Business School Thunderbird in Arizona, seinen Studenten vorschlug, dass sie selbst so einen Schwur formulieren und dieser bald ein offizieller Teil des MBA-Studiums wurde. Im vergangenen Oktober tauchte die Frage nach einem Eid für Manager wieder in einem viel diskutierten Artikel in der “Harvard Business Review” auf, verfasst von den Harvard-Professoren Rakesh Khurana und Nitin Nohria.
Seither ist der erste von zwei gewichtigen Einwänden der Kritiker die Sorge, dass so ein Schwur entweder unnötig oder gar schädlich ist. Betrug ist sowieso schon gegen das Gesetz. Kapitalgeber, die sich von den Managern nicht gut behandelt fühlen, können klagen. Daneben stellt sich die Frage, ob das Versprechen der künftigen Industriekapitäne, die Interesse von Kollegen, Kunden und der Gesellschaft „zu beschützen“ nicht dazu führt, dass ihre Shareholder zu kurz kommen. Der zweite Einwand ist die Zahnlosigkeit dieses Schwurs. So ist es schon schwer, zu definieren, was Management „im guten Glauben“ oder „ethisches Verhalten“ bedeuten sollen. Noch schwerer wäre es jedoch, Verstöße zu ahnden.
Gegenwärtig arbeiten Cabrera, Khurana und Nohria mit dem Aspen Institute und dem World Economic Forum zusammen, um dem Eid mehr Biss zu verleihen. Sie diskutieren verschiedene Ideen, wie etwa Führungskräfte stets über die neuesten Ideen in diesem Bereich zu informieren, eine Art Lizenz für Manager zu entwickeln oder eine Organisation zu etablieren, die unprofessionelles Verhalten bestraft.
Das bringt erneut die Kritiker auf den Plan. Sie warnen davor, dass eine selbst-ernannte Standesorganisation Kontrolle über den Zugang zum Beruf des Managers bekommen könnte. Schließlich gibt es zahlreiche Unternehmer wie etwa Bill Gates oder Steve Jobs, die Shareholder Value geschaffen haben, ohne selbst irgendwelche formelle Ausbildung zu besitzen. Kaum ein Entrepreneur hat einen MBA-Abschluss. Doch wie dem auch sei, die Finanzkrise hat zweifellos eine genauere Beobachtung der Managerkaste ausgelöst. So gesehen ist es vermutlich nicht die schlechteste Idee, wenn sich Studenten auch mal mit anderen Themen als dem Börsenwert und der Marktkapitalisierung beschäftigen.  

www.hbs.edu

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