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MBA im fürstlichen Palais

Der Executive MBA an der Wirtschaftsuniversität Wien feiert zehnjähriges Jubiläum. Eine österreichisch-amerikanische Erfolgsgeschichte.

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Während Museumsbesucher im Erdgeschoss die fürstlichen Kunstschätze bewundern, diskutiert Ralf Kuchenbuch im Obergeschoss des Palais Liechtenstein im Herzen Wiens darüber, welche Führungsfehler 1996 zu der Tragödie am Mount Everest geführt haben. Unter Stuckdecken und Freskenmalereien analysieren die Teilnehmer des Executive MBA Programms der WU Executive Academy den Ablauf des folgenschweren Unglücks, bei dem acht – teils erfahrene - Bergsteiger starben. "Der Fall eignet sich gut, um das Zusammenwirken von individuellen Entscheidungen, strukturellen Faktoren wie dem Wetter und komplexen Systemen zu erkennen", erklärt der amerikanische Professor Jason D. Shaw, der das Modul "Managing People and Organizations" unterrichtet.


Es ist die erste von zehn Lerneinheiten des 14monatigen Programms, die jeweils von Donnerstag bis Sonntag in Wien stattfinden und für die die WU Executive Academy die Räume im fürstlichen Palais angemietet hat. Dazu kommen drei Studientrips nach Osteuropa (Bukarest und St.Petersburg), Asien (Guangzhiou in China und Bangalore in Indien) und die USA (New York und Minneapolis).
Die Kombination von drei Kontinenten und fünf Ländern war auch für Ralf Kuchenbuch ein wesentlicher Pluspunkt für das Programm. Dazu kam die gute zeitliche Vereinbarkeit mit dem Job. "Ohne die Wochenenden kostet mich das Studium nur 40 Arbeitstage", erklärt der Betriebsleiter bei der Ambulanz Aicher, dem zweitgrößten Rettungsdienst in München. "Das kann ich mit meinem Urlaub und freien Tagen abdecken." Gerade im sozialen Sektor wachse Professionalisierungsdruck, erklärt der Jurist, der für das operative Geschäft mit 500 Mitarbeitern verantwortlich ist. Ein weiterer Pluspunkt seien die MBA-Titel beider Schulen. Gerade der US-Abschluss sei für ihn ein Vorteil. "Schließlich ist das für mich auch ein potentieller Arbeitsmarkt", sagt der 37jährige.

Bereits seit zehn Jahren die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien den Executive MBA gemeinsam mit der Carlson School of Management an der University of Minnesota in Minneapolis an. Mit knapp 22.000 Studenten ist die 1898 gegründete Hochschule die größte Wirtschaftsuniversität Europas und seit 2007 die einzige österreichische Institution, die eine Equis-Akkreditierung und damit eines der wichtigsten internationalen Qualitätslabel besitzt.

Ein wesentlicher Vorteil im unregulierten und intransparenten österreichischen MBA-Markt, in dem auch nicht-akademische Weiterbildungsinstitute "Universitäts-Lehrgänge" wie den MBA anbieten dürfen. Ähnlich wie in Deutschland florieren auch hier vor allem die spezialisierten MBA-Programme. "Da gibt es viel Unsinn und oftmals fragt man sich, ob das überhaupt noch ein MBA ist", kritisiert Bodo B. Schlegelmilch, Dean der 2004 als Business School der WU gegründeten WU Executive Academy. Allerdings kann auch seine Institution sich nicht dem lukrativen Geschäft entziehen und bietet elf verschiedene "Professional MBA Programme" an, die neben den General-Management-Grundlagen Vertiefungen elf Bereichen wie Marketing, Energiemanagement oder "Public Auditing" umfassen. 405 Teilnehmer mit durchschnittlich zehn Jahren Berufserfahrung sind derzeit in die Parttime-MBA Programme eingeschrieben.

Flagschiff-Programm ist jedoch der gemeinsame Executive MBA mit der Carlson School. 278 Teilnehmer haben das Programm bereits abgeschlossen. Die 40 Studenten der neuen Klasse haben durchschnittlich 13 Jahre Berufserfahrung, davon neun Jahre im Management und sind 37 Jahre alt. 60 Prozent kommen nicht aus Österreich, sondern überwiegend aus osteuropäischen Ländern wie Bulgarien, Kroatien, der Slowakei und Russland.

Svetlana Kokurina ist ausgebildete Lehrerin für russische Literatur. Vor fünf Jahren gründete die 33jährige ihre eigene Werbeagentur in Nizhniy Novgrad, einer 1,5 Millionen-Stadt an der Wolga. Wien sei für sie ein Schmelzpunkt, an dem sich zentral- und osteuropäische Wirtschaftstraditionen vereinen. Durch das Studium wolle sie nicht nur ihre Managementkenntnisse verbessern, sondern auch Kollegen aus verschiedenen Ländern und möglicherweise potentielle Kunden kennen lernen", erzählt die Russin. Auch die vergleichsweise niedrigen Studiengebühren von 37.000 Euro sprachen für das Programm.

"Unser größter Vorteil ist die Kombination von lokaler Expertise und amerikanischem Managementwissen", erklärt Dean Bodo S. Schlegelmilch. Dabei übernehme man weder das US-Konzept noch dominierten die US-Professoren im Unterricht. Auch Alison Davis-Blake ist stolz auf die Kooperation. "Wir legen Wert auf langfristige Partnerschaften", betont die Dekanin der Carlson School – was bei weitem nicht für alle US-Schulen gilt.

Eine der Besonderheiten des Programms ist das so genannte Capstone-Project. Hier treffen Studenten aus den Programmen in den USA und in Österreich sowie aus Polen und China zusammen, wo die Carlson School ebenfalls Executive MBA Programme anbietet. In virtuellen Teams müssen sie über drei Zeitzonen hinweg eine Markteinführungsstrategie für ein neues Produkt erarbeiten. Erst bei der Präsentation ihres Projektes in den USA lernen sich die Teammitglieder auch persönlich kennen. "Das ist wie im wirklichen Leben", betont Schlegelmilch. "Da müssen oftmals auch wildfremde Menschen aus verschiedenen Kulturen in einem Projekt miteinander zurecht kommen."

www.executiveacademy.at

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