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ESMT: Akkreditierung mit harscher Kritik
Business Schools Bärbel Schwertfeger - 13.02.2009
Der Wissenschaftsrat hat die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin zwar für fünf Jahre akkreditiert, macht aber keinen Hehl daraus, dass er die ambitionierten Ziele der Business School für unrealistisch hält.
Bisher konnte die ESMT ihr "sehr ambitioniertes Leitbild" noch nicht realisieren, heißt es in der Akkreditierungsentscheidung. Mit der Berufung renommierter Wissenschaftler seit Anfang 2006 habe sie zwar "überzeugende Grundlagen zum Aufbau eines Forschungsprofils" geschaffen, schreiben die Experten.
Dennoch stecke die Umsetzung ihres ehrgeizigen Ziels, innerhalb von zehn Jahren nach Gründung zur Spitzengruppe der Business Schools in Europa aufzurücken und sich im weltweiten Forschungswettbewerb zu profilieren, erst in den Anfängen. Eine Beurteilung der Forschungsleistungen der Institution sei daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.
Kritik wird auch an dem von ESMT-Präsident Lars-Hendrik Röller eingeführten Kompetenzzentrum „European Competitiveness" geübt. So gebe es zwar eine Reihe von viel versprechenden Einzelaktivitäten und Vorhaben zu dem Thema; ein zusammenhängendes, vernetztes Kompetenzzentrum sei indessen nicht erkennbar.
Dabei ist es dem ehemaligen Chefvolkswirt der Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission in Brüssel im vergangenen Jahr immerhin gelungen, neun neue Professoren, teils von renommierten Hochschulen, zu gewinnen. Das war allerdings auch dringend notwendig. Denn ohne diese Last-Minute-Aktion wäre die institutionelle Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat wohl komplett in die Hose gegangen.
Schon 2007 fällig
Eigentlich war die Akkreditierung schon 2007 fällig. Denn das Land Berlin hatte die ESMT lediglich bis Ende 2007 befristet staatlich anerkannt. Bereits im März 2007 hatte das Land daher den Antrag auf Akkreditierung beim Wissenschaftsrat gestellt. Dieser sollte dabei überprüfen, ob die ESMT die Mindeststandards einer wissenschaftlichen Hochschule erfüllt. Dann wurde die staatliche Anerkennung von Berlin jedoch noch einmal bis Ende 2008 verlängert - vermutlich weil klar wurde, dass die ESMT die Voraussetzungen für die Akkreditierung nicht erfüllte.
Nun ist sie offenbar knapp am Scheitern vorbei geschrammt. So gilt die Akkreditierung nur für fünf Jahre - auch zehn Jahre wären möglich gewesen. "Danach wird erneut zu prüfen sein, in welchem Umfang die ESMT ihre ambitionierten Ziele verwirklicht hat", erklärt Wedig von Heyden, Generalsekretär des Wissenschaftsrates. Kein Pardon gab es beim angestrebten Promotionsrecht.
„Das Ziel der ESMT, ein eigenständiges Promotionsrecht zu erhalten, ist angesichts der bisher an der Hochschule erbrachten Forschungsleistungen derzeit nicht realistisch", erklärt von Heyden. Das Forschungsumfeld müsse sich erst noch entwickeln. Ein tragender Forschungsanspruch zur Erteilung des Promotionsrechts könne daher frühestens nach fünf Jahren erwartet werden.
Gerade mal 16 Professoren
Dabei wäre gerade das Promotionsrecht unbedingt notwendig, um eigenen akademischen Nachwuchs auszubilden und so die Zahl der dringend benötigten Professoren zu erhöhen. Denn gute Professoren sind weltweit rar und sehr teuer. Bis Ende 2007 hatte die ESMT gerade mal 16 Professoren. Bis 2012 sollen es 60 Professoren sein - ein reichlich unrealistisches Ziel, urteilt auch der Wissenschaftsrat und äußert "erhebliche Zweifel, ob dies in den hierfür vorgesehenen kommenden fünf Jahren gelingen kann".
Unrealistisch erscheinen auch die angestrebten Studentenzahlen. So starteten im Januar 2008 - trotz außergewöhnlich hoher Stipendien - gerade mal 31 Teilnehmer mit dem einjährigen Vollzeit-Programm. Im nächsten Jahr sollen es bereits 55 sein. Dabei gilt gerade der Markt für Vollzeit-MBA Programme in Deutschland als äußerst schwierig.
Mindestens ebenso ambitioniert ist das Ziel, in diesem Jahr 50 Teilnehmer für das berufsbegleitende Executive MBA Programm zu gewinnen. Schon 2007 war die Nachfrage dafür äußerst dürftig. So gab es lediglich 37 Bewerber, von denen 30 zugelassen wurden - eine Quote, die nicht gerade für strenge Auswahlkriterien spricht.
Bei der ESMT versucht man offenbar, den Bericht des Wissenschaftsrates tot zu schweigen. Nicht einmal eine Pressemeldung über die erfolgte Akkreditierung gibt es. Auch ein Interview wurde abgelehnt. "Nach reichlicher Überlegung hat Herr Röller entschieden, Ihnen derzeit kein Interview zu geben", schreibt Pressesprecherin Christiane Hach.
Den kompletten Bewertungsbericht des Wissenschaftsrates mit detaillierten Bilanzen der ESMT findet man unter www.wissenschaftsrat.de.

ESMT is far away from national and international top standards. It can hardly be understood why German companies still support this institution.