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Erfolg über die lange Leitung

Das Fernstudium galt lange Zeit als billige Variante des MBA. Heute bieten renommierte Schulen oftmals gleichwertige Alternativen. Das Lernen auf Distanz kommt bei Firmen und Mitarbeitern gut an.

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Bei der Warwick Business School gibt es schon längst keinen Unterschied mehr. Ob man den MBA im einjährigen Vollzeit-Studium oder im dreijährigen Fernstudium erwirbt, im Abschlusszeugnis steht in beiden Fällen nur: "Warwick MBA". Auch die Kombination ist möglich.

"Manche starten für zehn Wochen mit dem Vollzeit-Programm und wechseln dann zum Fernstudium", erklärt Sue Beech, Programmdirektorin des Distance Learning MBA. "Wir nennen das einen Kickstart." Andere fangen mit dem Fernstudium an und belegen den letzten Teil des Studiums im Vollzeit-Programm.

Das Unterrichtsmaterial fürs Lernen aus der Ferne ist als Textbuch und auch zum Herunterladen aus dem Internet verfügbar. Die Teilnehmer haben durchschnittlich zehn Jahre Berufserfahrung und sind 34 Jahre alt. Der Anteil der internationalen Studenten liegt bei 57 Prozent. Bisher haben 300 Deutsche das Programm absolviert. Etwa hundert Teilnehmer sind derzeit eingeschrieben, und auch etliche deutsche Unternehmen wie die Allianz, Siemens und die WestLB haben ihre Mitarbeiter bereits beim Warwick-Fernstudium unterstützt.

Im ersten Teil des Studiums, der je nach Lerntempo 12 bis 18 Monate dauert, belegen die Teilnehmer fünf Module und besuchen ein achttägiges Präsenzseminar auf dem Warwick-Campus. Im zweiten Jahr werden neben den Pflicht- und Wahlkursen auch fünftägige Seminare in Warwick, Hongkong, Brüssel und Mannheim angeboten. Es folgt eine einjährige Projektarbeit inklusive Abschlussarbeit. "Oftmals geht es dabei um eine Fragestellung aus dem Unternehmen, in dem der Teilnehmer tätig ist", erklärt Programmdirektorin Beech.

Praktische Umsetzung des Lernstoffs

Gerade aufgrund der praktischen Umsetzung des Gelernten kommen die Distance-Learning-Angebote bei den Unternehmen gut an. Von Vorteil sind auch reduzierte Abwesenheiten vom Job und oftmals geringere Studiengebühren. Glaubwürdigkeit haben die Fernstudiengänge aber auch durch die meist teuren Executive-MBA-Programme gewonnen. Denn die setzen inzwischen, vor allem dank neuer Online-Technologien, ebenfalls verstärkt auf Fernstudien-Elemente. So büffeln die Teilnehmer ihre Lektionen vor den Präsenzmodulen im Fernkurs und bearbeiten dazwischen Fallstudien und Projekte in virtuellen Teams.

Gleichzeitig haben etliche Anbieter von Fernstudiengängen ihre Programme mit Präsenzphasen und virtueller Teamarbeit aufgepeppt. Beide Programmvarianten nutzen Chatrooms, Videokonferenzen und das virtuelle Klassenzimmer. Die Grenzen sind daher längst fließend.

Der Euro-MBA besteht zu 65 Prozent aus E-Learning, sechs Wochen verbringen die Teilnehmer zudem in verschiedenen Ländern. Die 75 Teilnehmer sind vorwiegend aus Europa und durchschnittlich 36 Jahre alt. Das Lehrmaterial gibt es online. Gearbeitet wird vor allem im Team. "Man liest eine Fallstudie und überlegt sich, wer welche Aufgabe bearbeitet", sagt Eric Holl. Der Ingenieur ist bei General Electric im Bereich GE Energy in Deutschland im Einkaufsbereich tätig. "Dann wird alles zusammen getragen, über das Ergebnis diskutiert und eine gemeinsame Arbeit abgegeben."

Die Aufgabe der Koordination übernehme jeweils der Teamleiter. "Das ist nicht so einfach zu organisieren, wenn ein Teilnehmer in Kalifornien und der andere auf einer Bohrinsel in der Nordsee sitzt", sagt der 30-Jährige. Der Euro-MBA ist ein Gemeinschaftsprodukt von sechs europäischen Schulen. Seit März gehört auch die Handelshochschule Leipzig (HHL) dazu.

Bessere Lernmethode

Enrique Dans, Professor für Informationtechnologien am Instituto de Empresa (IE) Madrid, hält das Online-Lernen inzwischen sogar für die bessere Lernmethode. Im Klassenzimmer könne ein Student nur eine kurze Frage stellen, auf die der Professor spontan antworten müsse. Beim Online-Forum reflektiere er dagegen seine Frage schon beim Schreiben und der Professor könne sie sofort oder später beantworten, sie an andere Studenten weiterleiten oder auf entsprechende Literatur verweisen.

An der spanischen Schule gehören die beiden Online-Studiengänge bereits zu den erfolgreichsten Programmen. Während der Global-MBA aus Online-Diskussionsgruppen und -Vorlesungen, Videokonferenzen und zwei- bis dreitägigen "Community Integration Days" in verschiedenen Städten besteht, treffen sich die 75 Teilnehmer des "International Executive MBA Online" nur dreimal persönlich.

Dem Zusammenhalt der Klasse schadet das nicht. "Der ist sogar intensiver als beim Präsenzunterricht", beobachtet Dans. Denn dank Web 2.0 können die Teilnehmer etwa Konferenzschaltungen organisieren, in Echtzeit Textnachrichten austauschen oder gemeinsam an Präsentationen arbeiten. Damit verändere sich aber auch die Rolle der Schule. "Der Professor ist längst nicht mehr derjenige, der am meisten weiß", sagt der IE-Professor. "Er ist nur noch eine Art Meta-Moderator."

Der Artikel ist am 18. April 2008 in der Financial Times Deutschland erscheinen.

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