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CEIBS: Ein völlig anderes Modell
News Bärbel Schwertfeger - 18.11.2009
Die vor 15 Jahren gegründete China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai gehört heute zu den weltweit führenden Business Schools. In Deutschland gibt es dagegen bis heute noch keine international bekannte und führende Business School. Ein Gespräch mit Rolf D. Cremer, dem deutschen Dean der CEIBS.
MBA Channel: Was können die Deutschen von dem Erfolg der CEIBS lernen?
Rolf D. Cremer: Entscheidend ist, dass man erkennt, wann das Spiel verloren ist. Das ist Deutschland leider noch nicht der Fall. Dabei entspricht die Wirtschaftsausbildung an deutschen Hochschulen längst nicht mehr dem internationalen Standard. Doch dem kann und darf man sich nicht entziehen, wie ja auch der Bologna Prozess zeigt. Die Chinesen haben dagegen schon in den frühen achtziger Jahren erkannt, dass sie einen enormen Mangel an hoch qualifizierten Managern haben und diese nicht an ihren eigenen Bildungsinstitutionen ausbilden können. Sie waren daher bereit, völlig neue Wege zugehen und eine Business School nach westlichem Vorbild und als Modell für ganz China zu gründen.
MBAC: Aber deutsche Unis haben doch gute betriebswirtschaftliche Fakultäten.
RDC: Eine Business School hat ein komplett anderes Modell, mit einem völlig andere Curriculum und anderen Professoren. In Deutschland glauben viele noch immer, dass der MBA nur eine neue Bezeichnung für den bisherigen Diplom-Kaufmann ist. Doch der klassische MBA ist vor allem für Studenten ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund, aber mit ein paar Jahren Berufserfahrung, sinnvoll. Was wir brauchen, ist daher eine Revolution und keine Evolution.
MBAC: Wie soll das in Deutschland funktionieren?
RDC: Die Mannheim Business School und die private WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar zeigen, dass das durchaus möglich ist. Ich halte das Modell der Universität Mannheim auch für andere staatliche Hochschulen für geeignet. Dort wurde die Business School als eigenständige GmbH aus der Universität ausgegliedert. So bekommt man Reputation und Akzeptanz in der Wissenschaft und hat finanzielle Autonomie. Heute in Deutschland eine Business School ganz ohne Angliederung an eine Universität aufzubauen, halte ich für nicht machbar.
MBAC: Genau das versucht die von 25 Konzernen gegründete European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin seit sieben Jahren.
RDC: Was ich bisher sehe, überzeugt mich wenig. Die ESMT ist nicht unter den besten deutschen Business Schools, einschließlich der traditionellen deutschen BWL-Fakultäten. Und international ist sie auch nicht sichtbar. Um eine gute Business School aufzubauen, braucht man gute Professoren, gute Studenten, eine gute Infrastruktur, einen gemeinsamen Spirit und viel Geld. Ich sehe nicht, dass diese Faktoren schon ausgewogen entwickelt sind.
MBAC: Die ESMT bietet vor allem kürzere Managerweiterbildungen an. Der Vollzeit-MBA spielt dagegen nur eine geringe Rolle. Braucht man den überhaupt?
RDC: Der klassische MBA ist das Kernstück einer Business School – quasi der OP in einem Krankenhaus. Ohne den kann man sich auch kein richtiges Krankenhaus vorstellen. Sonst ist man eben eine betriebswirtschaftliche Fakultät, aber keine Business School.
MBAC: Gerade die MBA-Ausbildung steht aber derzeit stark in der Kritik.
RDC: Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Auch in Zukunft brauchen wir fachlich kompetente Manager, die die Effizienz und Effektivität von Organisationen steigern können. Und wir brauchen das Gewinnstreben als Triebfeder und Messlatte für Erfolg. Die Krise ist doch nicht die Folge von Kompetenz und Gewinnstreben, sondern vom Zusammenbruch des Vertrauens zwischen den Marktteilnehmern. Natürlich müssen sich Business Schools fragen, was sie falsch gemacht haben. Vielleicht haben manche zu stark auf die fachlichen Fertigkeiten und zu wenig auf Persönlichkeitsentwicklung und Selbstreflexion gesetzt. Aber an den guten Schulen sind Governance, Ethik und Nachhaltigkeit schon lange wichtige Themen.
MBAC: In Deutschland ist der MBA vor allem eine Domäne der Fachhochschulen. Ist das der richtige Weg?
RDC: Das ist symptomatisch und nicht sehr hilfreich. Die guten deutschen Universitäten sind sich oft zu fein dafür und sehen darin eine weitere Bestätigung, dass der MBA eher etwas "Minderwertiges" ist. Aber schauen Sie doch ins Ausland. Dort sind die Top-Programme oft auch an den Top-Universitäten wie etwa Stanford oder Oxford angesiedelt. Denn eine gute Business School braucht auch eine exzellente Forschung.
MBAC: Aber der MBA gilt doch als praxisorientierte Ausbildung.
RDC: Das schließt sich ja nicht aus. Eine Business School braucht ein anderes Selbstverständnis als eine Universität. Sie muss sich selbst als Institution verstehen, in der Manager für die Wirtschaft ausgebildet werden. Sie darf sich nicht darauf beschränken, Forschungsergebnisse in A-Journalen zu veröffentlichen, ihre Forschungsarbeit muss auch so schnell wie möglich die Studenten erreichen. So wie sich Ärzte sich um die Gesundheit der Menschen kümmern müssen, genauso müssen sich Manager um die professionelle Führung von Unternehmen kümmern. Aber das erscheint mir bei der Managementausbildung in vielen deutschen Unis noch immer, und vielleicht sogar zunehmend, als nebensächlich.
MBAC: Aber braucht Deutschland überhaupt unbedingt eine Business School?
RDC: Wir können es uns nicht erlauben, in so einem wichtigen Bereich wie der Managerausbildung, in dem doch die Kapazität einer Gesellschaft zur Führung von Organisationen sichergestellt wird, nicht präsent und international erstklassig zu sein. Und je länger man wartet, sich dem internationalen Standard anzupassen, desto teurer und schmerzhafter wird es.
Das Interview führte Bärbel Schwertfeger
Professor Dr. Rolf D. Cremer ist Dean und Vize-Präsident der China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai, China. Er hat mehr als 25 Jahre in der asiatisch-pazifischen Region, unter anderem auch in Macao und Neuseeland gearbeitet. Cremer hat an der Technischen Universität Darmstadt promoviert.
China Europe International Business School (CEIBS)
Full-Time MBA
ESMT – European School of Management and Technology
Full-Time MBA, Executive MBA
Stanford Graduate School of Business
Full-Time MBA
University of Oxford Saïd Business School
Full-Time MBA, Executive MBA
WHU - Otto Beisheim School of Management
Full-Time MBA, Executive MBA
Mannheim Business School
Full-Time MBA, Executive MBA

Kommentare
An excellent interview and a very good guide for the German market.