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Ashridge: Managementwissen mit Herz
Business Schools Bärbel Schwertfeger - 03.03.2008
Die Ashridge Business School legt nicht nur auf eine praxisnahe Ausbildung Wert. Der MBA soll den Managern auch Wege zur Selbsterkenntnis aufzeigen. Einzelcoachings und Workshops sind daher Teil des Karriereprogramms.
Für Arndt Kuentzel-Sedler hat sich das MBA-Studium an der Ashridge Business School gelohnt. "Mein Gehalt hat sich fast verdoppelt", erzählt der 27-Jährige. "Und ohne den Abschluss hätte ich meinen Job wohl auch nicht bekommen." Seit Januar arbeitet er bei RTL als Produktmanager Musik-Merchandising.
Für Ashridge hatte er sich vor allem wegen der guten Reputation und der guten Kontakte in die Wirtschaft entschieden. "Die Professoren waren alle selbst als Manager tätig oder arbeiten als Berater", sagt Kuentzel-Sedler. "Die wissen, wovon sie reden."
Untergebracht ist die nordwestlich von London gelegene Business-Schule in einem neugotischen Schloss mit eigener Kapelle. Wo einst Könige und Herzöge residierten, gründete eine Gruppe britischer Industrieller 1959 eine Weiterbildungsstätte für Manager. In den 70er-Jahren wurden dann die ersten firmenspezifischen Programme aufgelegt. Die Schule spezialisierte sich zudem auf Themen wie Persönlichkeitsentwicklung.
MBA seit 1987
Erst seit 1987 gibt es in Ashridge auch ein MBA-Programm. Heute werden ein einjähriges Vollzeit- und ein zweijähriges Executive-MBA-Programm angeboten sowie zwei Studiengänge zum Master of Science in Organization Consulting und in Executive Coaching. "80 Prozent unserer Umsätze kommen aus dem Bereich der nicht akademischen Managerweiterbildung, nur 20 Prozent aus den Masterprogrammen", sagt Kai Peters, Chief Executive von Ashridge. Maximal 30 Teilnehmer zählt der Vollzeit-MBA. Er richtet sich vor allem an erfahrene Manager. So sind die 26 Teilnehmer der aktuellen Klasse durchschnittlich 35 Jahre alt, haben zwölf Jahre Berufserfahrung und kommen aus zwölf Ländern. 40 Prozent sind Frauen.
"Unsere Teilnehmer verstehen die Komplexität des Geschäfts und haben Interesse an einem nachhaltigen Erfolg", sagt Patricia Hind, Direktorin des Vollzeitprogramms. "Sie hinterfragen unsere Lernangebote kritisch auf ihren tatsächlichen Nutzen für ihren Managementalltag." Die Schule verstehe sich daher eher als Lernpartner, der auch von den Anregungen der Studenten profitiere. Das MBA-Studium sei sehr interaktiv und intensiv. "Wer zu uns kommt, muss sich wirklich einbringen", sagt Hind.
Curriculum neu strukturiert
Vor vier Jahren wurde das Curriculum neu strukturiert. Das Studium beginnt im Januar und hat vier Abschnitte. In den ersten drei Monaten werden Grundlagen unterrichtet. Danach werden bereits Examen geschrieben. Im zweiten Abschnitt stehen dann fünf fachübergreifende Module zu Themen wie Leading Change, Creating Value oder Global Business Environment auf dem Lehrplan.
"Wir bemühen uns, in jedem Modul auch Live-Fallstudien zu integrieren, bei denen die Studenten eine aktuelle Problemstellung in einem Unternehmen bearbeiten", sagt Hind. Zudem gibt es eine "International Study Week" im Ausland. Dieses Jahr geht es nach Südamerika. Daran schließt sich direkt ein zweimonatiges Praxisprojekt an. Die Teilnehmer gehen als Berater in ein Unternehmen und setzen dort das Gelernte um. Dafür werden sie sogar bezahlt. "Das wurde schon recht großzügig bezahlt", sagt Arndt Kuentzel-Sedler, der für eine Tochterfirma der BBC eine Marktanalyse in Osteuropa machte. In den letzten zwei Monaten des Programms können die Studenten Wahl kurse belegen, wie etwa Entrepreneurship oder Investor Relations.
Persönliche Entwicklung
Parallel dazu durchlaufen die Studenten ein Karriereprogramm, das sich auch mit der persönlichen Entwicklung beschäftigt. Gleich zu Beginn gibt es ein zweiwöchiges Führungsseminar. Zusätzlich stehen den Studenten acht Stunden Einzelcoaching zu. "Wir bieten den Teilnehmern genug Möglichkeiten, über ihre eigene Karriere und Zukunft nachzudenken", sagt Hind. Dabei nutzt die Business-Schule zum Teil ungewöhnliche Methoden: Dazu zählen ein Trommel-Workshop und der Einsatz professioneller Schauspieler.
"Wir haben einen größeren Fokus auf Leadership als viele andere Programme", sagt Steve Seymour, Programmdirektor des Executive MBA. Viele MBA-Absolventen scheiterten in der Praxis an der Umsetzung des Gelernten. "Das funktioniert doch nur, wenn auch die Menschen mitziehen", sagt er. "Je besser man versteht, wie man selbst auf andere wirkt, desto eher gelingt das."
Das bestätigt auch Olaf Mueller, der das Executive-MBA-Programm jüngst absolviert hat. Anfangs war der Geschäftsführer des schwedischen Maschinen- und Anlagebauers Alfa Laval Central Europe in Prag angesichts der Selbsterkenntnis-Ansätze skeptisch. Inzwischen hat er seine Meinung geändert. "Es hilft schon, wenn man erkennt, wie man sich gibt und wie das beim anderen ankommen kann", sagt Müller. Seine Erfahrungen hat er sogar schon umgesetzt und für neue Mitarbeiter und für das Management-Team ein Coaching- und Mentoring-Programm eingeführt.
Der Artikel ist am 8. Februar 2008 in der Financial Times Deutschland erschienen.
